Frei – beruflich

Je näher der Umzugstermin rückt, je mehr ich mit Leuten über „die Zukunft“ spreche, desto mehr reizt mich das Thema „Selbstständigkeit“. Endlich ziehe ich ernsthaft in Betracht, was für Journalisten eigentlich immer eine Option ist: freiberuflich zu arbeiten.

Mein alter Arbeitgeber, ein special-interest-Verlag und eine Internet-Redaktion haben bereits Interesse signalisiert. Klar: Fest angestellte Redakteure will in Deutschland keiner mehr bezahlen, meine jetzige Stelle wird kurzum eingespart – und die besten Magazine arbeiten eh nur mit freien Autoren. Traurig, aber wahr – Lesegenuss soll am liebsten nichts kosten, und im Haifischbecken der Medienbranche schwimmt mit mir jetzt ein weiterer kleiner Fisch, der gern ein paar Brocken schnappen würde.

Und dennoch: die Freiheit lockt. Was ich mir als Übergangsbeschäftigung vorgestellt habe, könnte sich zu mehr entwickeln. Wenn ich die richtigen Adressaten für meine Texte und Ideen finde, könnte ich davon vielleicht sogar leben.

Dass ich als Deutschsprachige nicht ernsthaft für schwedische Medien schreiben kann, war mir von Beginn an klar. Also muss der Draht nach Deutschland weiter glühen, damit deutsche Verlage mich kennenlernen, meine Dienste in Erwägung ziehen. Dann wäre ich eben die Autorin, die in Schweden lebt (angsagte Autoren leben ohnehin IMMER im Ausland). Oder ich werde selbst zum Glühdraht, der Schweden mit Deutschland verbindet. Der die Sprachbarriere überwindet und ausdrückt, was sich internationale Partner eigentlich sagen wollen. Selbst PR- und Werbetexte werden immer öfter „outgesourct“ – da hat ein Freiberufler vielleicht mehr Chancen als jemand, der sich in der Marketingabteilung bewirbt. (Obwohl ich das natürlich auch versuchen sollte…).

Nun ist die Schwierigkeit nicht nur, die entsprechenden Kontakte herzustellen – dafür habe ich im neuen Jahr immerhin Zeit, also werde ich mich fleißig mit Themen und Texten bei potenziellen Auftraggebern vorstellen. Viel schwieriger sind – auf den ersten Blick – diese ganzen administrativen Fragen, die mir nicht mal eine Steuerberaterin aus meiner Familie genau beantworten konnte:

Melde ich ein Gewerbe an? Wenn ja, wo? Wo gehen die Steuern hin? Wie sieht eine grenzüberschreitende Rechnung aus? Werden schwedische Kunden anders gebucht als deutsche? Kann ich über die „enskild-Firma“ meines Freundes abrechnen? Kann ich sein Kompagnon werden? – ich glaube, dazu müssten wir verheiratet sein…, kann ich nebenbei Taxi fahren, wenn die Aufträge nicht ausreichen?

So ein Kleinkram verbaut einem schnell die Aussicht auf das schöne freie Leben in der Bohème – und ich habe zur Zeit einfach nicht den Kopf, mich ernsthaft damit zu beschäftigen. Der Umzug an sich war schon eine weitreichende Entscheidung. Doch die nächste wird sein, ob ich selbstständig werde oder nicht.

Bis dahin werde ich mich umsehen, mich informieren – und vielleicht sieht die Lösung ja ganz einfach aus. Es gibt nur so wenig vergleichbare Beispiele, und die Infos aus dem Netz geben höchstens einen ersten Überblick:

Existenz im Ausland

Eignung fürs Auslandsgeschäft

Infos für freie Journalisten

Aber immerhin: ich habe Blut geleckt – da sollte ich schon bald die Kraft aufbringen, mich um die nächste „große Veränderung“ zu bemühen.

Veränderung? Naja, im Grunde ist die Selbstständigkeit der einzige Weg, genauso weiterzumachen. Das zu tun, was ich kann und bisher am liebsten tue. Eine „Veränderung“ wäre vielmehr, wenn ich mal nicht mehr schreibend am Schreibtisch sitze…

Advertisements

Ein Gedanke zu “Frei – beruflich

  1. Pingback: Von Wein und rohen Eiern « Nach Schweden

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s