„State your status!“

Da haben wir es… ich wusste, dass so etwas kommt. Der Brief von der Krankenkasse offenbart mir deutlich, dass der moderne Mensch ohne einen „Status“ ein Nichts ist und seine Mitmenschen wie erst recht die Behörden ziemlich durcheinander bringt.

Meine Noch-Firma hat der Krankenkasse mitgeteilt, dass ab 31.12. Schluss ist. Nicht, dass ich das selbst versäumt hätte, aber mein früherer Anruf bei der TK war vor allem geprägt von der Freude und dem Erstaunen der Sachbearbeiterin, dass ich nach Schweden ziehe. Sie hat nicht so recht verstanden, dass es da den Januar gibt, in dem ich einfach nur umziehen will… Sie ist wohl davon ausgegangen, dass das Arbeitsamt sich zu meinem „Status“ schon bald melden wird.

Aus dem Brief der TK habe ich nun eine Menge über verschiedene andere „Status“ erfahren und ich könnte mir jetzt einen aussuchen. Leider trifft nichts wirklich auf mich zu. Wer aus seiner Lohnbeschäftigung herausgeht, ist nämlich entweder

-arbeitslos gemeldet,

-selbstständig,

-Schüler oder Student,

-verheiratet,

-Beamter,

-Rentner,

-Soldat oder Zivi

-„nicht erwerbstätig“.

Letzteres kann man nicht einfach so stehen lassen, die Krankenkasse will wissen wie das überhaupt geht. Man bestreitet laut Formbogen der TK seinen Lebensunterhalt also entweder durch Vorruhestandsgeld, Vermietung, Kapitalvermögen, Unterhalt oder Sozialhilfe. „Sonstiges“ steht da auch – und in diesem Falle möchte man doch nochmal anrufen.

Es ist also nicht möglich, einen Monat lang einfach nur „zu sein“, nein, man muss seinen „Status“ erklären. Die so genannten „nachgehenden Leistungen“ der Kassen sind ohne einen „Status“ vermutlich nicht vorgesehen. Nun habe ich im Januar bestimmt keine Zeit, selbstständig tätig zu sein, noch will ich jetzt schon heiraten. Was ich als finanzielles Polster mitnehme, kann sicher nicht als Kapitalvermögen bezeichnet werden. „Ich bestreite meinen Lebensunterhalt durch Erspartes und mit einer großen Portion Hoffnung, dass sich alles schleunigst wenden wird.“ Das kommt bestimmt gut an bei der leicht zu begeisternden Sachbearbeiterin!

Am Ende bin ich vermutlich gezwungen, „Leistungen bei der Agentur für Arbeit“ zu beantragen, obwohl ich die sowieso nicht (mehr) kriege. Ich bin nicht lang genug im Land, um in diesen Genuss zu kommen – denn meine Sperrfrist läuft bis Ende März. Aber ich hätte immerhin einen „Status“ – und eine weitere Akte irgendwo liegen, die mein „Sein“ dokumentiert. Und sei es nur für einen Monat. In modernen Staaten wird eben ordentlich Buch geführt.

Nun sehe ich ein, dass die Krankenkassen nicht zahlen, was nicht versichert ist – aber ich hatte auf die nachgehenden Leistungsansprüche gehofft, die nach der Lohnbeschäftigung noch einen Monat Karenz geben, bis der neue „Status“ feststeht. Wir werden telefonisch klären müssen, ob ich auf der Überfahrt nach Schweden seekrank werden kann – oder ob ich dafür lieber eine freiwillige Versicherung abschließen muss.

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Ein Gedanke zu “„State your status!“

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