„Migrationsverket“

Die Unterlagen sind auf dem Weg. Ich beantrage „uppehållstillstånd“ in Schweden, weil ich mich in Deutschland nicht arbeitslos melden will. Die Alternative – 3 Monate so zu tun, als sei ich noch in Deutschland, um dann weitere 3 Monate bezahlt auf Auslands-Jobsuche zu gehen – erscheint mir lahm und verlogen. Ich würde zaudern und damit vielleicht die Jobsuche als auch den eigentlichen „Wegzug“ herauszögern. Ich würde sechs Monate lang noch nicht völlig loslassen. So aber spring ich ins kalte Wasser.

Weil ich noch keine Arbeitgeber in Schweden habe, ist mein Freund die „Referenzperson“ und unsere Liebe der vorerst einzige Grund für meinen Aufenthaltswunsch. Uns wurden ein paar Geschichten zugetragen, von schwedisch-internationalen Paaren, die dasselbe wollten – und noch können wir darüber grinsen. Denn wir müssen uns auf hochnotpeinliche Interrogationen einstellen – auch wenn die schwedischen Behörden wegen ihrer Hilfsbereitschaft gerühmt und mit deutscher Amtspiefigkeit angeblich nicht zu vergleichen sind.

Ich warte mal ab. Um eine Schein-Beziehung auszuschließen, die mich sozusagen ins Land schleusen würde, werden wir vielleicht nach Dingen gefragt, die ich lieber nicht teilen möchte. Eine schlichte Standardfrage ist, ob der Partner ein Tattoo trägt. Das ist sicherlich leichter zu beantworten, als die Namen und Geburtsorte meiner künftigen Schwager-, Schwieger- oder Schwip-Verwandtschaft aufzusagen. In beiden Fällen fragt man sich, ob dies taugt, eine Beziehung als „echt“ zu beurteilen.

Vielleicht bekomme ich aber auch ganz handfeste Auflagen. Eine „Deadline“ für die Arbeitssuche zum Beispiel. Oder dass ich meine Familie bitten muss, zu bestätigen, dass ich notfalls finanziell abgesichert bin. Meine Pläne, den Übergang frei schreibend zu überbrücken, muss ich vielleicht mit einer eigenen Firma dokumentieren (die ich dann auch noch anmelden würde).

Was das Migrationsverket verlangt, nachdem sie meinen sehr sorgfältig ausgefüllten Formbogen bekommen hat, kann ich derzeit also nur ahnen. Vielleicht ist es nicht viel, aber vieles hängt davon ab:  Die schwedische Personnummer ist das Ziel. Bekomme ich sie, kann ich getrost als vollwertiges Mitglied der schwedischen Gesellschaft bezeichnet werden. Denn mit der Nummer geht alles – von Buchverleih über Bankkonto bis zur medizinischen Versorgung. Und ohne sie geht nichts. Vor allem die „Krankenversicherung“ (die in Schweden nicht so heißt, weil rein steuerfinanziert) ist eine Sicherheit, die ich dort haben muss. Wenn nichts anderes sicher ist.

Der sympathische Webauftritt des Migrationsverket

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