Göteborg

Noch bevor ich meinen Liebsten kennen lernte, war ich bereits in Göteborg. Schon beim ersten Mal ließ ich diesen besonderen Charme der Stadt auf mich wirken – und fand gleichzeitig, dass er dem Flair Hamburgs gar nicht so unähnlich ist. Vielleicht fühlte ich mich deswegen auf Anhieb so wohl. Eine „typisch europäische“ Hafenstadt, mit Eigenheiten, die sie aus alter Zeit bewahrt hat – und die sie vom Rest Schwedens unterscheidet. Besonders aber von Stockholm! Die Hamburger mögen die Berliner auch nicht leiden. Diese Parallelen gefielen mir…

Göteborg ist authentisch, nicht so einfach austauschbar. Die Kanäle, der Fluss zum Meer – das bringt natürlich Abwechslung, das gefällt dem Auge, und kann im Sommer beinahe lieblich wirken. Doch man soll sich nicht täuschen: Der ständige Wind am Hafen gibt der Stadt etwas Raues und Abwehrendes. Und viele ältere Gebäude sehen dunkel, streng und gediegen aus. Man ist unweigerlich im Norden.

Das zeigt sich auch in diesen leichten, ganz subtilen Unterschieden in der Mentalität. Allein, wie die Göteborger mit ihrem Wetter umgehen. Sie hassen es genauso wie Hamburger ihr „Schmuddelwetter“ – aber zugleich sind sie besser darauf eingestellt. Wie selbstverständlich tragen alle eine Mütze sobald der Frost kommt, der Haarschnitt muss das mitmachen – praktischerweise. Man zieht sich drinnen die klobigen Stiefel aus (bringt sogar Indoor-Schuhe mit!) und hat unter drei dicken Lagen Pullis und Jacken die leichtesten Sachen an. Man macht eben, was draussen zu erledigen ist, denn auf besseres Wetter kann man nicht warten. Und so wurde meine erste Sightseeing-tour im November (!) 2006 zu einem Erlebnis, wie es im Juli nicht spaßiger hätte sein können. Es gibt ja auch so viele Cafés, in denen man sich aufwärmen kann (aber leider nicht rauchen darf…).

Auch wenn ich später über beide Ohren in einen Göteborger verliebt war, habe ich die Stadt nie völlig verklärt. Ich fühlte mich vielmehr dazugehörig, weil ich schon mehrere Einheimische kannte und bei einem von ihnen sogar wohnte. Ich bekam diese zusätzlichen Infos, die Touristen verborgen bleiben. Mein Gastgeber schwärmte nicht von seiner Heimat – einfach weil er sein ganzes Leben dort verbracht hatte. Und dadurch zeigte sich mir Göteborg als Stadt zum Leben, nicht in erster Linie zum Reisen.

Wie wohl doch die Reise – also sprichwörtlich der Weg dorthin – immer etwas ganz Besonderes war. Denn durch diese Beschwernis, irgendwie übers Meer zu kommen, schien Göteborg (und mein Liebster) ziemlich weit weg und auf eine eigene Art exotisch. Ich kam zwar aus einer Hafenstadt, aber Schiffsreisen waren nie an der Tagesordnung. Der logistische Aufwand, die Beschränkung der eigenen Zeit und Bewegungsfreiheit auf der Fähre unterschieden sich doch so gewaltig von meiner „Ich fahr dann mal los“-Einstellung. Und alles, was dort drüben war, wurde plötzlich so begehrlich. Anstatt vorbeizurauschen, nimmt man den Weg erst wieder richtig wahr. Und freut sich umso mehr aufs Ziel.

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