„Kärleksutvandrare“

Fernbeziehung – eigentlich eine tolle Sache. Jeder ist für sich, und man nimmt sich nur die beste Zeit füreinander, unbelastet vom Alltag. Es hat den Hauch der großen weiten Welt – man fliegt zum Rendez-vous, und man unternimmt spannende Dinge gemeinsam, man ist nur füreinander da, man ist frei von anderen Dingen.  Es ist aufregend – und gleichzeitig nur eine halbe Sache. Von 365 Tagen sahen wir uns vielleicht 80 Tage. In 80 Tagen um die Welt.

Auch wir sind viel gereist und haben es genossen. Es kommt nicht auf die Menge der Tage an, sondern wie man sie erlebt. Jeder gemeinsame Tag hatte soviel an Emotion und an Erlebnis in sich wie vormals mancher Monat, manches Jahr. Eine intensive gemeinsame Zeit. Hamburg, Göteborg, Deutschland, Schweden, zwei Jahre lang. Wir waren füreinander immer auch Gastgeber, aufmerksam und angenehm. Und als Gast konnten wir lächelnd auftrumpfen und uns gut gelaunt verwöhnen lassen.

Langsam, ganz langsam aber wurde uns aber klar, dass wir uns nicht mit diesem „Sonntagsgesicht“ des anderen zufrieden geben können. Dass hinter diesem Menschen noch viel mehr steckt als der freudige Besuch. Ein Mensch, der all das hinanstellt, was ihn gerade so sehr beschäftigt – weil er die viel zu kurze Zeit genießen will. Doch der Alltag wartet zu Hause, und wieder allein ist es schwer, diesen groben Faden aufzunehmen. „Teil‘ die Last“… – in langen Gesprächen, am Telefon taten wir das bereits. Und merkten, dass wir uns so ähnlich sind – in kleinen Dingen des Alltags ähnlich reagieren, und verstehen warum wir so reagieren. Da war uns erst recht klar, dass wir zusammen sein wollten – und eigentlich schon auf ein Ende der Fernbeziehung hinarbeiteten. Warum? Weil alles etwas freudlos ist, wenn man weiß: der andere ist jetzt 700 Kilometer entfernt. Und das noch für die nächsten 3 Wochen.

Ich mag im Rückblick diese Zeit vermissen, denn sie war immer unbeschwert. Aber ich habe auch keine Furcht, dass nun alles völlig anders wird. Denn zusammen haben wir nun einmal Flügel – auch dann noch, wenn ich dauerhaft in Schweden „gelandet“ bin.

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