Magister Arbeitslos

Die Energie für die Deadline ist wohl vonnöten, denn trotz allem ist der 1.Januar nächsten Jahres ein Tag, an dem ich ohne Arbeit sein werde. Mit der Kündigungsbestätigung kam der Hinweis, dass ich nach dem Sozialgesetzbuch verpflichtet bin, mich *unverzüglich* bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend zu melden. Informiert hatte ich mich bereits. Auf Info-Veranstaltungen und in persönlichen Beratungssgesprächen wurde ich mit Input regelrecht bombardiert. Über meinen Status als Auswanderwillige, Arbeitssuchende und / oder potenzieller Existenzgründerin konnte ich aber erst klar sehen, als es soweit war.

Keiner geht anscheinend davon aus, dass man einen festen Job freiwillig kündigt. „Heutzutage!“ „In dieser Situation“. „Zu Hochzeiten der Wirtschaftskrise“,… oh weh oh weh. Als sei man kein freies Wesen mehr, wenn der Arbeitsmarkt schwächelt. Sicherheit geht über persönlicher Entfaltung – klar! Das ist auch so ein Wort, das heute in Deutschland längst nostalgisch klingt. „Persönliche Entfaltung“ – das war damals, in den fetten 80ern oder kurz danach. Ich halte eine Menge von persönlicher Entfaltung, und sie wurde mir gewährt. Und ich bedaure junge Leute, die heute mit diesem Zwang aufwachsen, bloß irgendwie in den Arbeitsmarkt zu passen. Dadurch verkümmert soviel – auch das Bewusstsein für sich selbst und was man eigentlich kann und will.

Entsprechend dürftig war die Auskunftslage über meinen ganz konkreten Fall. In der Infoveranstaltung des Arbeitsamts „für Akademiker auf Jobsuche im Ausland“ gab es zahlreiche Anleitungen für die Bewerbung von Deutschland aus, auch für die Leistungen des Arbeitsamtes bei der Suche vor Ort, im Wunschland. Es befanden sich dort überwiegend Leute, die bereits arbeitslos gemeldet waren – also schon ALG beziehen – aber niemand, der vorhat, arbeitslos zu werden.

Ich habe einen Bekannten, der wirklich ein gebranntes Kind ist. Viele Jahre arbeitslos und am Existenzminimum. Stolz, abgehärtet und verständlicherweise bitter. Er hat mir vorgeworfen, wie blöd ich eigentlich sein könnte, meinen Job und mein regelmäßiges Gehalt einfach so in den Wind zu schießen. Er ist das Teufelchen auf der linken Schulter – und seine Meinung bedeutet mir was, auch wenn ich sie manchmal nicht hören will. Denn ich bin mir seiner Perspektive bewusst und er muss das so sagen. Wer weiß: vielleicht nehme ich diese Sichtweise ja auch einmal ein. Wenn das Schweden-Projekt scheitern sollte.

Aber „erfahren“, wie er mit den Ämtern nunmal ist, hatte mir dieser Freund den Hinweis gegeben, mich doch lieber kündigen zu lassen. Damit ich keine Sperrfrist habe. Die dauert 3 Monate und wird nur in absoluten Härtefällen verkürzt. Mein Plan (Sicherheitsdenken), in Deutschland arbeitslos gemeldet zu bleiben, um nach den 3 Monaten noch in den Genuss meiner Ansprüche zu kommen, wird durch die Sperrfrist nämlich gründlich durchkreuzt.

Das Verfahren E 303 gewährt Arbeitssuchenden noch 3 Monate Geld, wenn sie im Ausland auf Jobsuche gehen. Leider beginnen diese drei Monate mit der konkreten Ausreise – und überschneiden sich in meinem Fall mit der Sperrfrist. Bliebe ich also während der Sperrfrist in Deutschland – und dem deutschen Arbeitsmarkt zu Verfügung – könnte ich ab März mit dem Segen der Arbeitsagentur ausreisen und erhielte bis Juni ALG.

Ich halte das für ziemlich dämlich – schließlich weiß ich bereits, was ich will. Nach Schweden gehen und dort arbeiten. Die Chronologie des E 303 sieht aber vor, dass ich erstmal 3 Monate in Deutschland verharre, Arbeitssuche „fake“ und auf das Ende der Sperrfrist warte. 3 Monate, in denen ich schon einen Sprachkurs durchziehen könnte. 3 Monate, in denen ich vor Ort nach Praktika und Stellen schauen wollte.

Lohnt sich das? Nur um ein bisschen von dem mitzunehmen, was mir „zusteht“? Klar ist, dass die Eigenkündigung recht hart bestraft wird und – mein Bekannter hat recht: – wer kann und will, sollte sich tatsächlich kündigen lassen.

Wenn ich etwas von den Info-Veranstaltungen mitgenommen habe, dann eine Menge Links:

http://www.ba-auslandsvermittlung.de/

http://ec.europa.eu/eures/home.jsp?lang=de&langChanged=true

Arbeitslosengeld bei Suche im Ausland

Bundesverwaltungsamt

Europäische Kommission


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