Offene Horizonte

Bei der Kündigung meines Jobs fühlte ich mich vor allem mutig. Mutig, herausfordernd, trotzig – und frei!

*yarr… Ihr bringt es nicht, alle wollen weg von euch, alle haben’s satt. Und ich bin diejenige, die jetzt tatsächlich geht. Seht doch zu, wo ihr bleibt.*

Das sind glaube ich ganz gesunde Gedanken eines Lohnabhängigen, die beflügeln für diesen Schritt. Was viele Arbeitnehmer wünschen, was meine Kollegen schon seit Jahren heimlich durchspielen, was ich mir selbst seit einem 3/4 Jahr fest vorgenommen habe: jetzt habe ich es endlich getan.

Als Redakteure in einem Fachverlag, der einer großen Firma angeschlossen ist, waren wir dort immer Exoten. Eine Unterabteilung der Unternehmens-Kommunikation. Schreib-Fuzzis eben, die keine Ahnung vom Geschäft hatten, aber drüber berichten mussten. Ich hatte dort feine Kollegen, und meine damit auch fein-sinnig – denn sie sehen allesamt weit über den Rand dieses Topfes hinaus, in dem die anderen willig schmoren. Die Branche – Lebensmittelhandel – ist keine schöne Szenerie. Man befindet sich dort ständig „im Krieg“, wobei die Geschosse bloß die Erbsen sind, die diese Leute zählen.

Ich merkte schnell, dass dies nicht mein Platz ist – und mit der neuen Motivation, meiner Liebe in Schweden, bin ich also rein zu meiner Chefin und habe gekündigt. Meine Frist – das sind jeweils sechs Wochen zum Quartal. Ich kam am letztmöglichen Tag, ein Freitag – nach Redaktionsschluss, als alle schon in der Vorbereitung auf eine große Tagung waren. Wie so oft, musste ich kurz im Vorzimmer warten – „antichambrieren“ wie meine feinsinnigen Kollegen spötterhaft sagen – und konnte dann schnell mein Anliegen vortragen.

Nur kurz konnte ich die Verstimmung auf ihrem Gesicht lesen – dann war klar, dass dies keine kriegerische Auseinandersetzung würde, sondern ein ganz ziviles Abkommen. „Eine private Option ist eine private Option. Ich bedaure dies, aber wünsche Ihnen viel Glück in Zukunft!“ Kein Chef kann es krumm nehmen, wenn man der Liebe wegen geht – und auch wenn er es insgeheim albern findet, so darf er es nicht zeigen. Soviel Menschlichkeit muss sein.

Wir klärten noch schnell, dass ich ein Zeugnis kriegen würde – was ich bis Ende Dezember noch selbst verfassen muss, – und dass ich eventuell als „Freie“ für das Magazin weiterarbeiten könnte. Hörte sich gut an, aber viel gebe ich nicht auf diese Aussicht – aus den Augen, aus dem Sinn, wie man so sagt…

Für mich war vor allem der offene Horizont ein schöner Ausblick an diesem Nachmittag. Mit einer eigenen Entscheidung dazustehen und die Konsequenzen auf mich zu nehmen. Kein Druck mehr von einer Firma, mit der ich mich nicht identifiziere, nur noch der Druck, den ich mir selbst auferlegt habe. Ich kann auf Deadlines hinarbeiten – das gibt mir Energie, da kann ich über mich hinauswachsen. Diesmal war die Deadline kein Freitag nachmittag, sondern ein Jahresende, an dem ein neuer Abschnitt wartet. Was gibt es Schöneres als so etwas vorzubereiten? Ich freue mich drauf… ohne Wenn und Aber.

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